Club Italia gewinnt das Halbfinale der Berliner Fußballmeisterschaft

07. Juni 2006 – Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für dieses Halbfinalspiel waren einfach ideal. Die Begegnung zweier Topmannschaften fand auf dem gut bespielbaren Rasen des Poloplatzes, bei milden abendlichen Temperaturen vor annähernd 150 Zuschauern statt, die ohne Übertreibungen ein hochklassiges, temporeiches und spannendes Spiel sahen, dessen Ausgang bis wenige Minuten vor Spielende nicht feststand.
Die in wesentlichen Teilen Oberliga erfahrene Mannschaft vom Frohnauer SC versuchte von Anbeginn die Kontrolle des Spiels zu gewinnen. Geschickt wurde der Ball in ihren eigenen Reihen gehalten. Wie das unserer Spielweise entspricht, versuchten wir dieses mit frühem Angriff und angestrebter Balleroberung zu entgegnen. Hier und da traten dabei vermutlich aus Nervositätsgründen Fehler auf, die aber ohne Folgen blieben. Das Spiel plätscherte ohne größere Höhepunkte dahin. Es fehlte einfach ein Tor. Das dauerte bis zur 20. Min., als sich Libero Bernd Splettstößer im gegnerischen Strafraum befand und Elfmeterreif gefoult wurde. Der gestenreiche Schiedsrichter Fritz Wutke pfiff aber nicht. Den daraus resultierenden Eckstoß zirkelte Dennis Rätsch genau auf den Kopf von Bernd, der den Pfosten traf, den Abpraller nahm „Abprallerspezialist“ Doriano Teseo aus kurzer Distanz zur umjubelten Führung.
In der 30. Min. eröffnete sich nach einem unbeholfenen Foulspiel eine Freistoßgelegenheit für die Frohnauer aus bedrohlicher Distanz. Den scharf und flach getretenen Ball sah Karsten Meyer erst in letzter Sekunde, konnte ihn aber mit einer unglaublichen Reaktion zur Ecke lenken, was die Zuschauer mit starkem Beifall bedachten. In dieser Phase des Spieles zeigten Mario Todaro nach Anfangsschwierigkeiten und auch Bernd Splettstößer jetzt schon erkennbare herausragende Leistungen.
Bis zur Halbzeit konnte man nicht erkennen, wer die besseren Spielanteile hatte.
In der Pause wurde der bis dahin gut aufgelegte André Rätsch ausgewechselt, für ihn kam Remo Scardela. Gleich in den Anfangsminuten der 2. Halbzeit war das größere Engagement bei den Club Italia Spielern erkennen, aber mitten in unseren Angriffsbemühungen gab es einen Ballgewinn der Frohnauer, der von rechts lang auf die linke Seite gespielt wurde. Beim Versuch diesen Ball zu erreichen, wurde der Ball unglücklicherweise von Oliver Eckardt zu Timo Schattschneider abgefälscht, der sich die Kugel noch einmal zurechtlegte und dann ungehindert einschießen konnte.
Von nun begann ein auf und ab, ein hin und her. Die sehr objektiven Zuschauer waren begeistert, spendeten beiden Mannschaften oftmals Beifall auf offener Szene. Ein erlösendes und wahrscheinlich entscheidendes Tor wollte in der regulären Spielzeit zugunsten keiner Mannschaft fallen. Tendenziell gab es aber mehr Einschussmöglichkeiten für unsere Elf, als beispielsweise Antonello Cornacchione mit einer fulminanten Granate aus ca. 20 m abschoss und das Tor nur knapp verfehlte, oder Bernd Splettstößer, der in der 90. Min. mit einem Kopfball nur knapp das Gehäuseinnere verfehlte.
Eine Entscheidung musste also in der Nachspielzeit oder im anschließendem Elfmeterschießen fallen.
Die ganze Dramatik begann in der 98. Min. als der für den krampfgeplagten Oliver Eckardt eingewechselte Thorsten Richter von rechts eine lange Eingabe auf Dino Orazio brachte. Geschickt deckte Dino den Ball vom Gegner ab und konnte ihn linksfüßig mit einer blitzschnellen Drehung von der linken Strafraumseite diagonal an den rechten Torpfosten setzen, von dort aus kugelte der Ball im Zeitlupentempo ins Tor.
Die Entscheidung? Nein!
Einen harten Dämpfer gab es, als der herausragende Frederick Sallinger in der 103. Spielminute nach zwei Spielzügen aus der eigenen Hälfte den Ball erhielt und ihn von der 5 m Grenze vorbei an Karsten Meyer in unserem Tor zum 2:2 unterbringen konnte.
Es spricht für die augenblickliche Leistungsstärke von Club Italia nach zweimaliger Führung einen erneuten Ausgleich hinzunehmen zu müssen und trotzdem weiterhin offensiv und siegesorientiert ausgerichtet zu sein. Ein wesentlicher Antreiber für diese Spielweise fand sich in dem gut aufgelegten Ruben Salazar-Munoz, der auch in der 115. Min. aus dem Mittelfeld heraus Dennis Rätsch anspielte. Der zog an seinem Bewacher vorbei, versetzte noch den Doppler und befand sich plötzlich an der Grundlinie, wo er mit klugem Rückpass Dino freispielte, der nur noch einschieben brauchte. Von diesem erneuten Führungstor wenige Minuten vor Spielende erholten sich die Frohnauer nicht mehr. Ohnehin waren alle Spieler an ihre Leistungsgrenze gegangen, was sich durch eine Vielzahl von Wadenkrämpfen bemerkbar machte.
Den Schlusspunkt und die endgültige Endspielteilnahme schaffte Bircan Ünlü in der letzten Minute nach einem wunderschönen Querspiel von Thorsten Richter mit einem 20 m Knaller.
Alles in allem hat hier eine charismatische Club Italia Mannschaft mit seiner beseelten Leidenschaft, seinem ausgeprägten Siegeswillen und seiner außergewöhnlichen Kondition alle Möglichkeiten genutzt sich selbst ein Denkmal zu setzen.